11. Oktober 2008

In der Botschaft...

Sie hat sich Mühe gegeben - sehr sogar! Redet, als ginge es um die Verteidigung einer großen politischen Idee. Voller Emotionen und gespickt mit allerlei Lebensweisheiten in Zitatform, appeliert sie an uns, an unsere Mission, und wenn noch keiner an dieses Projekt geglaubt hat, dann wohl jetzt.

Extrovertiert sind sie hier wohl alle, die Frauen. Halten Reden. Appelieren an unsere Gefühle. Die Männer schlafen ein - zumindest einer: Ein älterer Herr unbekannten Ursprungs zu meiner linken hat es aufgegeben dagegen anzukämpfen. Gegen die Müdigkeit, oder die Langeweile, das liegt im Auge des Betrachters. Bei nur 4h Schlaf muss - zugegebenermaßen - auch ich kämpfen um dem partut nicht zu stande kommenden Dialog zu folgen.

Die zweite Dame redet irgendwas von Korruption, die es nicht gibt, das sagt sie gefühlte 20 mal und jetzt glaube ich an Korruption.

Ein Kiev'er Nachrichten-Mann erzählt von der Möglichkeit der Jugend in diesem Land und nennt sich selbst - durchaus bemerkenswert, das stimmt schon - als bestes Beispiel: Der Herr ist 27 Jahre alt, und Chef eines Ressorts bei einer ukrainischen Tageszeitung.

Ein anderer singt, und das sogar sehr gut, sehr gefühlvoll. Danach redet er von Freiheit, in einem Land, das wohl nicht sehr viel davon bekommen hat. Ein Rebell, der seinen Glauben an die Politik (offensichtlich) verloren hat. Fast mit Tränen in den Augen spricht er als einziger zu uns (als Teilnehmer), mit kräftiger Stimme, lässt uns an seiner Idee von einer gerechteren und freieren Ukraine teilhaben, in der Politiker eben nicht nur nach Macht und Ämtern streben, in der die Politik ihr Handeln an die Bedürfnisse der Menschen anpasst und sich nicht immer mehr davon entfernt. "Das ist die Stimmung" sagt ein Herr neben mir, leise grummeld, leicht nickend.

Der Herr vom Büro des Präsidenten, der aussieht wie der ehemalige, leider abgestürzte FDP Vorsitzende, redet gut, sehr analytisch, sehr objektiv. Es stellt die Dinge dar, wie sie augenscheinlich sind und bezeichnet die momentane Lage in der Ukraine als "Turning-Point", an welchem sich die Zukunft aufgabelt und seinen eigenen Weg geht - wohin auch immer. "Das ist ein wichtiger Moment für das Land, aber auch für Europa."

"We are the heros- creating our own story - day by day", sagte die Dame vom Anfang noch als Schlusswort - ein schöner Spruch.



(Ein Dank geht an den ersten Sekretär des Botschafters Herrn Müller, der diesen Abend ermöglicht hat!)

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